Pudel Produkte Zwei
Pudel Produkte Eins kam gut sehr gut an:
- Beim Endkonsumenten: über 1500 verkaufte Vinyle!
- Beim Wochenendtänzer: Schmunzel-Dance Contests allerorten!
- Bei Media Control Japan: Chart-Entry im Land des Lächelns!
- Bei der Presse: Platz 1 der SPEX Single-Charts im April!
- Bei den DJs: „Die tippe ich überall rein!“ (DJ Stachy)
Es ist es Zeit für die nächste Packung! Wie gewohnt sparen wir weder an Material (wieder Prägedruckcover & 180 Gramm-Vinyl) noch an Inhalt (Fast halbe Stunde Content!), das sind wir als Papst uns mindestens schuldig.
Diesmal liefern die hervorragenden Künstler in folgenden Kategorien ab:
- Richtige Songs bzw. Limericks mit hohem Chartbetrugs-Potential
- Fake-Instrumentals, in den doch hinten im Lied wieder Gesang kommt
Fangen wir doch gleich stumpf hitgeil an: Das musikalische Spiegelkabinett „Bilder Von Dir“ des sympathischen Alliterations-Kings Miki Mikron ist ein romantischer Neoklopper, bei dem sich der schöne Gesang nicht am Rhythmus stören will. Hätte Mikron als kleiner Junge nicht so viel Pechkekse beim örtlichen Chinesen gegessen, aus ihm wäre ein so genannter Hitlieferant geworden! Eine sichere Nummer Eins im Traum.
Kommen wir zum nächsten Underground-Poeten: Auch Plemo setzt wie alle modernen Pudel Produkte Künstler konsequent auf Monotonie, Kopfnicker-Publikum und Mitgröhlrefrains, nur dass seine Singles nicht aus den Charts verbannt werden, weil er kein Betrügerschwein ist, sondern ehrlich im Wintergarten der Poprock Disco des Herrn arbeitet. Wir werden sehen, wer den längeren Atem hat. Plemo kann lange!
Die stets auf jung getrimmte erfolglose Altherrenelectro-Combo Kiss Kiss Bang Bang hat sich mit Teobi nun einen Sänger geholt, der sie ganz nach oben schießen wird: “This awesome Eunuchenfunk is the future!“, so Symbol aka Prince aka Symbol in einem symbolischen Moment über den bedenkenswerten Aphorismus „Every noise could be music“. Musikalisch ist dieser schleifende Stöhn-Groove sicher eh nur schwer zu übertreffen. Wenn das so weiter geht, releasen die in Zukunft auf Bellaphon oder Arcade!
Auf ganz anderem Boden grasen zwei der kecksten Figuren der internationalen Mitnahmementalität: Als Bodenständig 2000 veröffentlichten sie auf dem Aphex Twin Label Rephlex den Klassiker „German Rave Blast Hits Vol.1“, hier bei uns zeigen sie nun ihre weiche Seite: „Sensibelchens“ sind subsonische Bässe und Samples von Dschinghis Khan-Lookalike-Bands in einem Song, der uns zu Weinkrämpfen rührt. Weltniveau!
Weiteres Softeis mit Krokant: Hinter dem im Kopf ausgedachten Pseudonym School of Zuversicht verbirgt sich keine geringere als DJ Patex, die sonst den Politbarden Knarf Rellöm beim Welterobern unterstützt. Ihre Flüstertütenerotik-Komposition „Das abendländische Gehege“ setzt gezielt auf Reizunterflutung. Besonders schön: Der noisige Distortion-Part, der Friseure erschreckt! Eine Nische wird geschlossen.
Franzosen nennen das Katzengequike vielleicht Chanson, wir nennen „Le woff woff“ einen leckeren Batzen Maunz-Pop. Der Berliner Außenseiter Patric Catani hat sich als Candie Hank mit Sophie Thibaud die neue Vanessa Paradis geangelt, die hier ihre Realisierung einer Vision formuliert. So schön, so Sophie! Sie ist mit großen Hoffnungen auf eine Karriere aus der Bretagne rüber mit Citroen. Soll mal vor dem Pudel parken, die Frau!
Da hilft nur eins: Runterkommen von den Emotions, sich wieder mit der musikalischen Basis anfreunden. Klar, dass jetzt eine Kante wie Rocko Schamoni wartet, der seinem neuen Steckenpferd “B-Seiten-Kompositionen in 1A Qualität“ frönt. „Ennios Onions“, cool im Spirit eines Adriano Celentano-Soundtracks gehalten, hat freche Zwischenrufe seiner Tochter und sowieso die besten Footclaps seit der letzten Neptunes. Und testen Sie mal: Von oben sieht das Lied aus wie eine kleine Ameise!
“Geisterbahn Künstlereingang” hören die beiden furchigen Fressen Ricardo Prosetti & Kazyushi Frogati oft, wenn sie irgendwo auftauchen. Uns hat das nie gestört, wir achten auf innere Werte und musical consciousness. Dass sie die haben, beweisen die beiden sonst bei den Puppetmastaz beschäftigten Kretins mit einer Version eines toten Klassikers aus der Hochkultur. „Sodapoppin`Booty” setzt ganz auf Melodien für den Kinder-Piano-Unterricht und die geil abgeschmacktesten Steigerungsbreaks seit der letzten Scooter, die auch mal langsam abtreten könnten. Nur fett.
REZENSIONEN
DIE ZEIT 28.4.2005
Die neue EP aus dem Hamburger Club unten am Hafen ist wieder eine schöne Mischung aus Glamour und Unberechenbarkeit, überwölbt von der Verheißung, man werde hier die Spiritualität neu entdecken. Gleich mit den ersten Takten von Mikri Mikron, die sich heben wie eine Insel aus dem Schweigen, von einer ungeheuren Pause (4 Sekunden Stille!) gefolgt und dann von Songs von so unterschiedlich sublimem Charakter wie Catani, Schamoni oder Plemo, die nicht aus der Seele, sondern gleichsam objektiv aus der Natur zu kommen scheinen. Unheimlich. Das ist Musik, die sich von ihrem Komponisten emanzipiert hat, die nicht mehr überwältigen und narkotisieren muss, sondern einfach da ist, Weite erzeugend in all ihrer Vielfalt und Notwendigkeit. Vorhang auf für ein gewaltiges Projektionsrechteck. Die Ecken heißen Liebesglut, PopRock Disco, Zukunfts-Funk und Neo-Chanson. Vor allem auf den ruhigen Lieder gelingt es: Bodenständig 2000 mit traumschönem, fokussiertem, warmem Mezzo, DJ Patex mit reichem, beweglichem Bass, so getroffen und so anrührend, dass ihr Gewährsmann Knarf Rellöm zu Recht im Hintergrund bleibt. Ein Platte, die für jeden hörenswert ist, der heute mit dem Begriff Pop hantiert.
Dr. Gator Schult
Plastic Bomb Mai 05
Für n schlappen 8er legt der Pudel Club nach und mit der zweiten Folge wieder ein grundehrliches Manifest ab. Textlich aus dem Bauch und musikalisch perfekt. Und damit schaffen sie das, was man vielleicht Verbundenheit nennen kann. Sie machen eine Platte, die man ihnen auch abnimmt. Das ist kein Konstrukt, wie man diesen oder jenen Hit aus der Vergangenheit wieder zum Leben erwecken kann. Das ist eine Zustandsbeschreibung von heute. Wer SLIME zu sehr glorifiziert, der kommt hiermit bestimmt nicht klar. Alle, deren Erkenntnis ist, dass man nicht ewig 20 ist und darüber auch nicht ewig singen muss, die kommen mit dieser EP prächtig klar. Und Wut haben die Pudel-Typen immer noch. Nur richtet sie sich auch mal auf die vermeintlichen eigenen Reihen. Gegen die Kritiker, die kein Abweichen von der plenengestählten, allgemeingültigen Wahrheit zulassen. Jepp. Das ist eine total geile Scheibe. Bestes Stück: Kiss Kiss Bang Bang. Das erinnert mich an meine Zeit als Zivi in Holzminden, wo ich…. (gekürzt) Atze
GALA Nr 19 2005
Steht Teil Eins in nichts nach! Action und Adrenalin pur! Obwohl im Vorfeld das Gerücht kursierte, Rocko Schamonis Lächeln sei gespielt, als er las, wer noch auf diesem Sampler mitmacht. Aber dann wurde alles wieder gut als ZDF-Lady Nina Ruge dem sehschwachen Salon-Punker die Interpretenliste doch noch richtig herum drehte. Glück gehabt! Beider Kuschelwochenende geriet zu einem Traum aus Tüll, Electro-Carpaccio und zauberhaft-romantischer Stimmung.